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Schweiß fließt für Kinder in Not

21.10.2011 - Idsteiner Zeitung

Von Martin Kolbus

TANSANIA-HILFE In glühender Sonne Spielplatz gebaut / Idsteiner Verein betreut viele Projekte

Besuch in der Behindertenwerkstatt: Renate Wingerberg und Werner Scherf mit dort beschäftigen Afrikanern. Foto: Wingerberg„Es ist unsere Aufgabe, Kindern in der Not zu helfen.“ Was auf dem T-Shirt von Bernhard Wingerberg schwarz auf weiß auf Deutsch und in Kisuaheli geschrieben steht, ist keine Floskel, sondern ein handfestes Versprechen. Dieses Versprechen ohne Wenn und Aber umzusetzen, kann mitunter Schweiß kosten - viel Schweiß, wie Werner Scherf kürzlich am eigenen Leib erfahren hat.

„Wir haben zu dritt Material organisiert, den Platz ausgeschachtet, Balken verlegt und fünf Tonnen Sand mit nur einer Schubkarre und ein paar Eimern bewegt“, erzählt der Waldemser Bürgermeister, der zusammen mit Bernhard und Renate Wingerberg vom Vorstand des Idsteiner Vereins „People help People - One World“ (Bürgerpartnerschaft) vom Spielplatzbau für das Ludao Day Care Center in Moshi. Geschuftet wurde bei 35 Grad im Schatten - aber Schatten gibt es dort nur sehr spärlich. Damit später die Kinder unter der sengenden Sonne Tanzanias den neuen Spielplatz überhaupt nutzen können, wird demnächst von den Helfern vor Ort noch ein festes Dach installiert. Und natürlich werden neben der großen Sandbox auch noch einige Spielgeräte aufgestellt.

Sister Margaret leitet seit 1998 die Betreuungseinrichtung, in der über 50 Kinder im Vorschulalter Platz finden. So ein Angebot ist ein Segen in diesem afrikanischen Land, wo viele Kinder bettelarme Waisen oder Halbwaisen sind. Oft ist AIDS die Ursache dafür, dass die Kinder auf der Straße aufwachsen. Margaret Mshana hat im Laufe der Jahre viele von ihnen aufgenommen, sorgt für ein bis zwei Mahlzeiten am Tag, für Betreuung und Förderung.

Die finanzielle Förderung solcher und ähnlicher Projekte hilft entscheidend mit, den Kindern langfristig bessere Zukunftsperspektiven zu bieten. Tatsächlich reichen schon zehn Euro im Monat aus, um einen Platz zu finanzieren. „Nicht nur regelmäßige Überweisungen, sondern auch viele kleine Einzelspenden führen in der Summe zum Ziel“, ermuntert die Entwicklungshilfe-Organisation die Bevölkerung zur Unterstützung. Verstärkt wirbt „People help People - One World“ für den Aufbau eines Schulgeldfonds. Bildung und Ausbildung sind, neben unmittelbarer medizinischer Versorgung, die nachhaltigste Zukunftsinvestition, sind die Idsteiner überzeugt.

26 Jahre ist es jetzt her, dass der Idsteiner Bundestagsabgeordnete Dr. Werner Schuster den Stein für die Bürgerpartnerschaft mit Moshi ins Rollen brachte, und noch immer schlägt in der Hexenturmstadt das Herz der Organisation. Grenzen für die Hilfe aber gibt es nicht. „Wir haben Mitglieder und Förderer von Kiel bis zum Bodensee“, informiert Bernhard Wingerberg. Unter den Förderern sind auch namhafte Firmen - so ermäßigt Condor die Flugtickets nach Tansania und „DocMorris“ sorgt immer wieder für Erste-Hilfe-Ausstattungen in Schulen der Region um Moshi. Das Schweizer Unternehmen Eden Springs unterstützt die Wasserversorgung an mehreren Schulen im Uru Distrikt. Aber auch die Stadt Idstein und Nachbarkommunen haben schon manchen Tausender überwiesen.

Wichtigster Partner ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das aktuell den Aufbau einer Trinkwasserversorgung für die Msareni Primary School zu 75 Prozent fördert. „Die Kinder der Grundschule laufen bis zu sechs Kilometer, um Wasser für die Schule zu holen“, unterstreicht Wingerberg die Bedeutung dieses Projektes, das mittlerweile in seine Endphase geht. Im November/Dezember will sich eine Gruppe um Vorstandsmitglied Hartmut Ring auf den Weg nach Moshi machen, um an der Inbetriebnahme teilzunehmen und sich über andere laufende Maßnahmen zu informieren.

Damit es keine Missverständnisse gibt: „Alle Moshi-Reisen werden von den Teilnehmern selbst finanziert“, versichert Wingerberg. Kein Euro aus Spendengeldern oder Beiträgen werde in Flüge, Hotels oder Aufenthaltskosten gesteckt. Nur so könne es der Verein auch vertreten, dass Freunde, Nachbarn und Mitbürger um Unterstützung gebeten werden - zum Beispiel durch Spenden oder durch den Kauf von Artikeln bei Basaren oder Weihnachtsmärkten.

„Auch diesmal werden wir in Idstein auf dem Weihnachtsmarkt vertreten sein“, kündigt der Vorsitzende an. Dort können die Besucher alles über die Projekte und Aktivitäten von „People help People - One World“ erfahren. Was viele Idsteiner dabei sicherlich überraschen wird, ist die zunehmende Tendenz zu Projekten außerhalb Moshis, wo die Not viel größer ist als in der Stadt am Kilimandscharo. So werden gegenwärtig zwei Frauen-Initiativen auf der Insel Sansibar unterstützt, die sich auf die Herstellung von Kosmetika, Tee und Kaffee sowie Handarbeiten jeglicher Art spezialisiert haben. „Wir werden Produkte aus diesen Einrichtungen im Dezember anbieten“, verrät Wingerberg. Gleiches gilt für eine Behindertenwerkstatt in Moshi, in der Kunsthandwerk produziert wird. Viele Behinderte erhalten für ihre Arbeit dort ein Einkommen, das für den Lebensunterhalt sorgt und dazu beiträgt, die Schulbesuche ihrer Kinder bezahlen zu können.

 

Den Original-Bericht finden Sie im Wiesbadener Tagblatt oder hier.

 
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