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Start einer weltweiten Kampagne:

Stoppt den Serengeti Highway!

Hier könnt Ihr eine Petition unterschreiben!

 

Es klingt so absurd und unvernünftig, dass man es kaum glaubenmag: Die Regierung Tansanias mit Staatspräsident Jakaya Kikwete an der Spitze hat beschlossen, einen 418 km langen Highway quer durch das Serengeti-Ökosystem und den Serengeti-Nationalpark zu bauen. Nach Abschluss einer „Unverträglichkeitsprüfung“ bis zum Jahresende 2010 soll 2011 die Finanzierung in Höhe von 480 Mill. US-Dollar sichergestellt und bereits 2012 mit dem Bau der Straße begonnen werden.

Gegen diese unverantwortlichen Pläne, die die Serengeti fundamental gefährden, hat sich weltweit Widerstand gebildet: Tier-, Naturschutz- und Umweltorganisationen, Tourismusvereinigungen, Vertreter der Tourismusindustrie und viele einzelne Freunde des weltweit einmaligen Ökosystems rufen auf, den Plänen der tansanischen Regierung offensiv entgegenzutreten.


Auszüge aus der Stellungnahme der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF):

„Verheerende Auswirkungen auf das gesamte Serengeti-Ökosystem“

Das Vorhaben würde die weltberühmte Wanderung von rund zwei Millionen Gnus, Zebras und Antilopen an einer ihrer empfindlichsten Stellen treffen und den nördlichen Teil ihres Zugweges blockieren. DieseWildnisgebiete sind essentielle Lebensräume für hochgradig bedrohte Arten wie Nashörneroder Wildhunde, und nicht umsonst gestattet der Managementplan des Serengeti Nationalparkskeine Straßen in diesem Gebiet.

Zweifellos ist ein gutes Straßennetz entscheidend dafür, dass Bauern ihre Erzeugnisse auf die Märkte bringen können, dass Dörfer erreichbar sind und Handel und Wirtschaft funktionieren können. Schaut man sich lediglich die Karte an, dann scheint der geplante Straßenverlauf auch durchaus sinnvoll zu sein, denn es ist die kürzeste Verbindung zwischen den bestehenden Siedlungsgebieten außerhalb des Serengeti Nationalparks. Wir sind jedoch zutiefst überzeugt, dass diese Straße verheerende Auswirkungen auf das gesamte SerengetiÖkosystemhaben wird.

 

„Eine Straße mitten durch das Gebiet mit der weltweit größten Dichte an Großtieren“

Vor allem in der Trockenzeit sind der nördliche Teil der Serengetisowie die angrenzende Masai Mara lebenswichtige Gebiete für die Tiere auf ihrer großen Wanderung, denn nur hier finden sie das ganze Jahr hindurch Wasser. Neueste Forschungen zeigen, dass die Population der Gnus voraussichtlich von 1,3 Millionen auf bis zu 200.000 Tiere zurückgehen würde, wenn man sie von den Gebieten, die in der Trockenzeit noch wichtige Wasserreservenhaben, abschneiden würde. Das wäre ein Rückgang auf weniger als ein Viertel des jetzigen Bestandes und womöglich auchdas Ende der großen Tierwanderung in der Serengeti.

Dass vielbefahrene Straßen in wertvollen Schutzgebieten katastrophale Folgen haben, zeigt sich überall auf der Welt. Aus diesem Grund rät die UNESCO dringend davon ab, Durchgangsstraßen durch Nationalparks oder Gebiete mit Weltnaturerbe-Status zu führen.

Die geplante Straße durch die Serengeti wird eine Hauptverbindung werden zwischen den ostafrikanischen Häfen wie Mombasa, Dar es Salaam und Tanga, und den sich zurzeit schnell entwickelnden Länder Zentralafrikas. Mit dem rapide zunehmenden Handel in Afrika wird auch der Verkehr zwischen den Ländern in den nächsten Jahren weiter ansteigen mit der Folge, dass täglich Hunderte von Schwerlastern die Serengeti durchfahren werden.

Hinzu kommt, dass die Straße mitten durch das Gebiet mit der weltweit größten Dichte an Großtieren geht. Es liegt auf der Hand, dass die Straße früher oder später abgezäunt werden muss, wenn man permanente Unfälle mit Wildtieren und damit Sach- und Personenschäden vermeiden will. Eine Einzäunung jedoch würde definitiv das Ende der großen Wanderung bedeuten, da die Gnus, Zebras, Eland-Antilopen oder Elefanten den Mara-Fluss, und mit ihm ihre Wasserquelle, nicht mehr erreichen könnten und entlang des Zauns verdursten würden. Je höher das Verkehrsaufkommen desto mehr Tiere werden von Autos angefahren oder überfahren. Bei Geparden etwa, die ohnehin eine Sterblichkeitsrate von 90 Prozent bei ihrem Nachwuchs haben, kann auch ein marginaler Anstieg der Sterblichkeit zu einem Abwärtstrend im Bestand führen.

 

„Übertragung der Haustierkrankheiten auf Wildtiere“

Durch den Warentransport, vor allem den Transport von Vieh, breiten sich Krankheiten leicht entlang der großen Verkehrswegeaus, dies gilt auch für viele Tierkrankheiten. Viele dieser Krankheiten können taxonomische Grenzen überschreiten, was zur Sorge Anlass gibt, dass Krankheiten von Haustieren auf Wildtiere übertragen werden. Die Rinderpest beispielsweise wird leicht von Kühen auf die Gnus übertragen und hatte zu Beginn des letzten Jahrhunderts dafür gesorgt, dass die Gnubestände um gut 85% eingebrochen waren.

Des Weiteren würde eine Hauptstraße durch die Serengeti die Ausbreitung von Neophyten (gebietsfremde Pflanzen) in das Serengeti-Ökosystem begünstigen. Das könnte die biologische Vielfalt und in der Folge die Funktionalität des Ökosystems deutlich negativ beeinflussen.

Abgesehen von den natürlichen Bedrohungen könnte der leichtere Zugang in die bislang unzugänglichen Wildnisgebiete des Serengeti Nationalparks zu einer Zunahme der Wilderei durch gut organisierte Banden führen.

 

„Der Verlust der letzten großen Tierwanderung“

Die Serengeti wird sich in eine vollkommen andere Landschaft verwandeln, die dann nur noch einen Bruchteil ihrer jetzigen Arten aufweisen wird. Sie wird ihren Status als berühmtester Nationalpark der Welt und mit ihm ihr einzigartiges touristisches Potenzial verlieren – ein dramatischer Rückschlag für die bisherigen Naturschutzerfolge Tansanias.

Der Verlust der großen Tierwanderung in der Serengeti – der letzten ihrer Art auf unserer Erde – wäre das Ende eines unschätzbaren nationalen Erbes für Tansania. Und es wäre das Ende der Serengeti als Ikone der Weltnaturerbe-Gebiete, gefolgt von einem spürbaren Rückgang des Tourismus in der Serengeti und der benachbarten Masai Mara in Kenia.

 

Alternative Trassenführung

Es gibt jedoch eine Alternative, die die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Region sogar noch besser erfüllen könnte. Die Alternative wäre eine Südumfahrung der Serengeti mit einer geteerten Straße, die Karatu mit der bereits bestehenden Straße von Shinyanga nach Musoma verbindet. Diese potenzielle Straßenführung wurde von der tansanischen Regierung auch bereits in Betracht gezogen, denn sie würde fünfmal mehr Menschen versorgen als die nun aktuell geplante Nord-Route, und sie würde die Siedlungs- und Wirtschaftsregionen gleichermaßen gut verbinden.

Entscheidender jedoch ist: die alternative Trassenführung durch den Süden würde nicht mit dem Serengeti Nationalpark und den Naturschutzinteressen kollidieren. Wir hoffen sehr, dass eine Lösung gefunden werden kann, die den Interessen aller Betroffenen gerecht wird.

Kommenden Generationen werden uns nicht nur nach den technologischen Errungenschaften unserer Zeit fragen, sondern auch, wer sich darum gekümmert hat, dass die einzigartigen Wildnisgebiete, die unseren Planeten so besonders machen, erhalten bleiben. Die Serengeti, die Ikone der Weltnaturerbe-Gebiete, das Musterbeispiel für die Erhaltung von Wildnis und die gelungene Kombination aus ökologischen und ökonomischen Interessen, darf nicht für ein kurzfristiges Infrastrukturprojekt geopfert werden – zumal dann, wenn es eine vernünftige Alternative gibt.

Wir hoffen sehr, dass die Tansanier und Tansanias Politiker weise entscheiden und nicht riskieren werden, die Serengeti aufs Spiel zu setzen und den Ruf ihres Landes als eine der führenden Nationen in Sachen Naturschutz zu gefährden.

(Aus: Homepage der ZGF)

 

Die Berichterstattung in den Medien:

„Bauprojekt bedroht weltgrößte Tierwanderung“

(„Hamburger Abendblatt“ vom 18.6.2010)

„Der geplante Bau einer Transitstraße bedroht die Tierwanderung im Serengeti-Nationalpark“

(DER SPIEGEL Nr. 25/21.6.2010)

 
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